Abschied vom Bibelabend in Birlinghoven
von Birgit Retzmann
28.08.2026
2003 war ich im Presbyterium der Gemeinde Stieldorf-Heisterbacherrott als Finanzkirchmeister tätig. Damals hatte das Presbyterium nach langen Überlegungen und heftigen Diskussionen beschlossen, in Birlinghoven das alte Fachwerk-Bauernhaus abzureißen und ein neues Gemeindehaus zu bauen. Dr. Hartmut Ripken aus Birlinghoven, Jörg-Rainer Müller aus Vinxel und ich aus Heisterbacherrott bildeten den Bauausschuss des Presbyteriums. Ich habe also das Gemeindehaus in Birlinghoven miterbaut. Es wurde als Wohnhaus geplant, weil es dadurch kostenmäßig günstiger war. Himmelfahrt 2004 wurde das neue Gemeindehaus eingeweiht und begeistert von den Mitgliedern der Gemeinde angenommen. Für mich besaß der Kirchraum immer eine gewisse festliche, heilige Atmosphäre. Im Herbst 2025 hat der Vorstand der Gemeinde Siebengebirge beschlossen, das Gemeindehaus Birlinghoven am Reformationstag 2026 zu schließen. Das hat mich emotional sehr mitgenommen. Nun gibt es in Birlinghoven keinen kirchlichen Raum mehr für die Gottesdienste, für die Bibelarbeit und auch nicht für das Kirchencafé.
Seit Pfarrer Hermann Federschmidt dafür gesorgt hatte, dass die evangelische Gemeinde in Birlinghoven zur Gemeinde Stieldorf-Heisterbacherrott gehörte, gab es die regelmäßigen Bibelabende in Birlinghoven. Sie wurden nach dem Erwerb des Bauerhauses mit dem Grundstück in den dortigen Räumen durchgeführt. Die Nachfolger von Pfarrer Hermann Federschmidt, Pfarrer Burkard Leh und Pfarrer Max Koranyi, haben diese Bibelabende weitergeführt. Man traf sich regelmäßig alle 14 Tage zu den Bibelgesprächen. Meine Frau und ich haben später bei Pfarrer Max Koranyi daran teilgenommen.
Als Pfarrer Max Koranyi pensioniert wurde, hat er mich gebeten, seinen Dienst an der Bibelstunde Birlinghoven zu übernehmen. Ich war schockiert, da ich kaum theologische Grundkenntnisse besaß. Aber er hat mich bestärkt, indem er mir das zutraute und auch in einem persönlichen Gespräch noch einmal versicherte, dass ich seine Arbeit durchaus gut weiterführen könnte. Also habe ich seit Herbst 2014 die Bibelarbeit in Birlinghoven durchgeführt.
Auf meine Bitten hin waren Pfarrerin Ute Krüger und Pastor Dr. Holger Weitenhagen bereit, einige der Abende zu übernehmen. Dafür bin ich beiden sehr dankbar, denn dadurch habe ich so viel gelernt, wie man Bibelauslegungen vorbereitet. In diesen 12 Jahren habe ich fast so viel gelernt wie im Studium, leider kein Griechisch und Hebräisch.
Wir trafen uns alle 14 Tage am Montagabend. Von Pfarrer Max Koranyi habe ich übernommen, dass die Predigttexte der beiden folgenden Sonntage gelesen wurden. Danach wurde erklärt, was die Verfasser der Bibelstellen zu der damaligen Zeit damit gemeint haben. Im Anschluss daran diskutieren alle Teilnehmer darüber, was dieser Text für uns heute bedeuten kann, wie wir ihn für unser tägliches Leben umsetzen können. Der Abend wurde mit Gebet und Kirchenliedern beendet.
Die Zahl der Teilnehmer ist fast konstant geblieben. Einige sind seit Federschmidt dabei, andere neu hinzugekommen, aber es waren immer 8 – 15 Teilnehmer anwesend und haben lebhaft miteinander diskutiert. Sie kamen aus Birlinghoven, Heisterbacherrott, Oelinghoven, Rauschendorf und Vinxel.
Diese Bibelabende haben mir so viel gegeben und ich nehme an, auch den übrigen Teilnehmern, denn ich bin am Sonntag mit ganz anderen Erwartungen in den Gottesdienst gegangen. Ich habe mich gefreut, wenn in der Predigt auch die Gedanken geäußert wurden, die in unseren Diskussionen vorgebracht worden sind. Besonders interessant wurde es, wenn weitere Gedanken und Auslegungen in der Predigt geäußert wurden, an die wir nicht gedacht hatten. Bibeltexte enthalten so viel Wertvolles auch für unser heutiges Leben.
Nun gibt es bald keinen kirchlichen Raum mehr in Birlinghoven für die Bibelarbeit. Daher beendete ich sie im Juli 2026.
Manfred Marwinski
