Bunt. Bewegend. Begeisternd. – Unser Gemeindefest 2025
von Birgit Retzmann
12.09.2025
Als Pfarrer Klemp-Kindermann den Festgottesdienst eröffnete, blickte er in eine bis auf den letzten Platz besetzte Zeltkirche, und noch über 70 Menschen nahmen auf dem Vorplatz per „Live-Übertragung“ des Gottesdienstes auf Flat-Screen-TV teil.
Die Predigt von Pfarrerin Krüger und Pfarrer Leckner nahm die Gemeinde mit auf eine gedankliche Reise mittels dreier – von der Künstlerin Juliane Hunecke – gemalter Bilder der Stieldorfer Kirche – als Sinnbilder für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Gestern:
Im ersten Bild – dunkel und schlicht – wurde an die Anfänge der Gemeinde erinnert: kleine Kreise, Hausgottesdienste, Pfarrer auf dem Moped. Wie in der Apostelgeschichte entstand christliches Leben im Kleinen, mit viel persönlichem Einsatz. Es ging um Wurzeln und um das, was die Gemeinde zusammengeführt hat.
Heute:
Das zweite Bild zeigte die Kirche in sanften Pastelltönen – ruhig, beständig. Als Sinnbild für Verlässlichkeit, für vertraute Rituale und gewachsene Tradition. Doch auch das Heute bringt Herausforderungen: Veränderungen, Fusion, neue Gottesdienstformen. Pfarrerin Krüger und Pfarrer Leckner betonten, dass echte Tradition nicht am Äußeren hängt, sondern am Geist der Gemeinschaft – am Miteinander, das durch Höhen und Tiefen trägt, Trost spendet und Glauben lebendig hält.
Morgen:
Im dritten Bild leuchtete die Kirche in bunten, kräftigen Farben – als Vision für die Zukunft. Wie in der Offenbarung des Johannes wurde hier deutlich: Kirche braucht Hoffnung, Fantasie und Mut, sich immer wieder neu zu erfinden. Wie Johannes auf Patmos sind auch wir eingeladen, mit unseren Träumen und Begabungen an einer lebendigen, strahlenden Kirche mitzubauen – als Ort der Begegnung zwischen Gott und den Menschen.
Die Einladung der Predigt: mutig weiterbauen, offen bleiben und dabei stets auf Gott setzen, der seine Menschen durch alle Zeiten begleitet
Die Gottesdienstbesucher wurden eingebunden, indem sie je drei Feedbackkarten ausfüllen konnten: „Erinnerungen an Gestern“ „Gedanken über Heute“ „Wünsche für Morgen“. Diese Karten wurden eingesammelt und im Anschluss an den Gottesdienst auf Stellwänden befestigt und ausgestellt. Wirklich Bewegendes und Inspirierendes gab es hier zu lesen.
Musikalisch wurde der Gottesdienst von Renate Struensee und Dr. Friedhelm Loesti begleitet und ein aus Sängerinnen und Sängern unserer drei Gemeindechöre bestehender großer Chor sang unter ihrer Leitung.
Zum Abschluss des Gottesdienstes informierte Pfarrerin Krüger über das weitere Angebot des Tages und bat zum Wechsel auf die Wiese, wo blumengeschmückte Tische und Pavillons zum Verweilen einluden, damit dort alle in großer Gemeinschaft sitzen konnten, um die Grußworte zu hören.
Superintendentin Almut van Niekerk überbrachte nicht nur herzliche Glückwünsche – ihre eigenen und die des Kirchenkreises – sie hatte außerdem ein Präsent im Gepäck: einen (noch namenlosen) Kirchenkater in Form einer Handpuppe, dem sie auch schon direkt eine Dienstanweisung mitgab, wie er am besten zum Wohle der Gemeinde wirken könne.
Königswinters Bürgermeister Lutz Wagner gratulierte zum Fest und zum 60 Geburtstag der Kirche, in der er auch konfirmiert worden war. Er betonte den Wert von Kirche als Ort der Begegnung mit Gott und aber auch als Ort der Begegnung mit Menschen.
Alt und Jung saßen anschließend gemischt und im fröhlichen Austausch vor herrlich bunt gefüllten Tellern vom vielfältigen Buffet. Auch Grillwurst, Kaltgetränke sowie die von den Teamern und Konfis unter Leitung von Christian Matthis gezauberten alkoholfreien Cocktails schmeckten sichtlich. Die Gäste strahlten quasi mit der Sonne um die Wette.
Neben den Gaumenfreuden gab es ein attraktives Rahmenprogramm:
In der Zeltkirche besuchten zahlreiche Gäste die Ausstellung zur Geschichte des Kirchengebäudes und der Gemeindeentwicklung. Dr. Horst Kleine und Martin Herberg hatten recherchiert und Fotos, Zeitungsausschnitte und Briefe aus der Gemeindegeschichte zusammengetragen, die auf Plakaten mit Erläuterungen ansprechend präsentiert waren und auf einigen Stellwänden aushingen.
Großen Zulauf hatten auch die Zeitzeugen-Berichte, die in der Zeltkirche zu hören waren. Es wurde viel geschmunzelt und auch nachdenklich genickt. Pfarrer Federschmidt, in den 80er Jahren Pfarrer vor Ort, mittlerweile im Lebensalter von 101 Jahren, war ein hochinteressanter Zeitzeuge. Er berichtete, wie er von Anfang an die Gemeinde als freundlich und lebendig erlebt hat und auch stets versuchte, Kontakte nach außen zu knüpfen. Er würdigte sehr erfreut, wie schön und einladend in Stieldorf das Gemeindehaus nach den Umbauarbeiten geworden ist.
Frau Kutsche erlebt die Gemeinde von Beginn an und berichtete über ihre ersten Anfänge im Chor mit 9 Jahren, in dem sie auch bis heute noch singt.
Herr Rehnert schilderte ebenfalls viel Interessantes über die Gemeindegeschichte und brachte zur Veranschaulichung noch alte Unterlagen seiner Vorstellung für die beiden Presbyteriumswahlen mit, bei denen er auch ins Amt gewählt wurde.
Am frühen Nachmittag trat Joram Seewi auf, mittlerweile mit seiner Jonglage-Show schon Stammgast auf unseren Gemeindefesten. Er begeisterte mit einer kurzen, aber virtuosen Darbietung seiner Künste, bevor er danach zu einem Workshop einlud. Seiner Einladung folgten sowohl Kinder als auch Erwachsene und bald waren schon Erfolge sichtbar.
Elke Fischer hatte im Gemeindesaal eine Kunstausstellung vorbereitet. Gezeigt wurden Skulpturen aus Bildhauerton aus den Workshops „Das bin ich“ und „Vergänglichkeit“; filigrane Figuren aus Alufolie aus dem Workshop „Lasst uns Menschen machen“ und Figuren aus Drahtgeflecht mit Zeitungs-Maché aus dem Workshop „Gemeinsam“. Viele Besucher waren sichtlich beeindruckt von den überaus ansprechenden Ergebnissen dieser generationenübergreifenden Workshops.
Auch vor Ort wurde es richtig kreativ:
Beim Taschenbemalen nach Herzenslaune – ob „einfach nur bunt“ oder „richtig künstlerisch“ durften sich die Kinder austoben und anschließend ihre Tasche mit nach Hause nehmen.
Glitzertattoos brachten Farbe ins Spiel und beim Kinderschminken wurde es nicht nur bunt, sondern auch unglaublich vielfältig.
Wer etwas Bleibendes hinterlassen wollte, konnte einen Stein für das Gemeindelabyrinth im Stieldorfer Garten bemalen oder auch an den drei Bildern Gestern/Heute/Morgen unserer Zeltkirche mitwirken. Hier hatte Künstlerin Juliane Hunecke jedes Motiv auf eine Leinwand gemalt und es gab für Besucher Raum, die Gemälde zu ergänzen.
Wer mehr Action brauchte, kam auch nicht zu kurz:
Das „Pull-Riding“ war ein großer Spaß für Kinder und Jugendliche. Nicht nur für die Reiter, sondern auch für die Großen und kleinen Aktiven am Rand, die durch Ziehen der Seile den Bullen zum Bocken brachten. Für die Ehrenamtler, die hier die Aufsicht hatten und aber auch oft die ganze Schicht lang am Seil zogen, war es teilweise schon fast Sport.
Die Hüpfburg war sehr beliebt bei den Kids, es wurde wild getobt, aber es gab auch Turnerisches zu sehen. Ein herzliches Dankeschön an die RHENAG für die kostenlose Ausleihe.
Eine weitere besondere Aktion für die Kinder war das Pony-Reiten, hier gab es viele strahlende Gesichter, als die jungen Reiterinnen und Reiter durch die umliegenden Straßen geführt wurden. Frau Nordhorn von den BURGZWERGEN machte dies möglich, und achtete natürlich auch streng darauf, dass es den Ponys bei ihrem Einsatz gut ging.
Der KreativKreis Oberpleis hatte einen Stand mit wunderschönen, samtweichen gehäkelten Tierfiguren, die auch begeisterte Abnehmer fanden (wer die Chance verpasst hat: auf unserem Stand auf dem Ittenbacher Adventsmarkt werden auch viele tolle Produkte des KreativKreises angeboten werden).
Auf der Wiese vor dem Gemeindehaus genossen die Gäste sichtlich den Nachmittag, mit guten Gesprächen, leckeren Speisen und Getränken und später auch noch bei einem „musikalischen Schmankerl“: Friedhelm Krebs von „Dein Phonzimmer“ lud zum Mitsingkonzert ein. Von englischen Klassikern bis zu Sportfreunde Stiller „Applaus Applaus“ (welcher ihm dafür auch reichlich gespendet wurde) war alles dabei. Ein gesungenes „Uns Vader“ – Vater-Unser-Song auf Plattdeutsch – wurde dann am Ende der Veranstaltung zum Bestandteil des Abschlusssegens.
Es war ein wunderschöner Tag für und mit Gemeinde, der Erinnerungen, Aktuelles und Ausblicke perfekt verbunden hat. Und das unter Gottes weitem blauem Himmel bei strahlendem Sonnenschein.
Ein kleines Zahlenspiel zum Schluss: es war unser Gemeindefest mit Jubiläum der Zeltkirche – wir feierten also auch, dass dieses Kirchlein seit etwa 720 Monaten bei uns steht und Gottesdienstheimat ist. Am Festtag wurde knapp 8 Stunden lang gefeiert, was mit der Gästezahl hochgerechnet heißt, dass dieses Gemeindefest etwa 1.000 Stunden Freude und gute Laune für die Besucher brachte. Nicht unerwähnt will ich aber lassen, wie diese tollen Stunden möglich waren: 80 ehrenamtlich Helfende setzten sich hier für unsere Gemeinschaft ein. Menschen, die am Tag selbst vor Ort halfen; Menschen, die tolle Buffetspenden brachten; Menschen, die am Samstag schon Dinge antransportierten und aufbauten oder nach dem Fest und auch noch am Montag wieder abbauten und Zubehör wieder an die anderen Standorte zurückbrachten; Menschen, die im Vorfeld in mehrtägigen Einsätzen das Gartengelände vorbereiteten. Und natürlich auch die Mitglieder des EiS-Treff-Stieldorf und der Gemeindefest-Planungsgruppe, die schon seit Monaten alles mit großer Umsicht und viel Herzblut geplant und organisiert hatten.
Allen diesen lieben Ehrenamtlichen ein herzliches Dankeschön. Das Kompliment für ein rundum gelungenes Jubiläumsfest geht an sie alle und natürlich auch an unsere Hauptamtlichen für ihren Einsatz.
Text: Birgit Retzmann
Fotos: Mike Krüger, Kai Zielke, Ute Krüger, Jörg-Rainer Molwitz, Birgit Retzmann
