Erderwärmung – was ist Ursache, wo beginnt Schuld?

von Birgit Retzmann

21.09.2025

Zu diesem Thema referierte Dr. Gerd Eisenbeiß, Physikwissenschaftler und Solarpreisträger der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V., im Dienstagforum am 2. September 2025.


„Unsere gesunde, positive menschliche Neugier führte uns zu Wissenschaft, Technologie und Erfolgen in der Medizin. Damit einher gingen Produktivität, Wachstum der Bevölkerung aber auch ein gestiegener Naturverbrauch“, so der Referent in seinem Eingangsstatement.
Erkannte Gefahr und unaufhaltsames Schicksal
Dr. Eisenbeiß zeigte auf, dass weltweit zwar viel aber dennoch viel zu wenig getan werde, um die menschenverursachte Erderwärmung aufzuhalten. Da die Erderwärmung faktisch unumkehrbar sei, müssen wir ein Stück weit weg von Ursachenbekämpfung des Klimawandels und stattdessen Anpassungsmaßnahmen für steigende Temperaturen einleiten, zum Beispiel die Begrünung von Innenstädten. „Selbst wenn wir das Ahrtal komplett klimaneutral gestalten,“ so der Referent, „wird das die Hochwassergefahr Im Ahrtal in keiner Weise verringern.“
Zutiefst menschliche Ursachen
Mit der für die Menschenentwicklung gesunden Neugier geht in der Regel auch eine gefährliche Habgier des Menschen einher. Neugier führt in der Regel zu Konsumsteigerungswünschen. Durch weltweit verfügbares Internet wissen die Menschen überall, in welchem Wohlstand wir leben und möchten diesen auch so ge-nießen. Klimaziele und Konsumwünsche laufen einander entgegen.
Schuld und Sühne
Der Referent gibt zu bedenken, dass der teilweise negative Einfluss des technischen Fortschritts auf das Klima sich erst vor etwa 50 Jahren erahnen ließ und erste sicherere Prognosen dazu vor 25 Jahren erstellt werden konnten. Auch habe die Welt ohne Fortschritt so viel menschlichen Wohlstand und gesundheitliche Sicherheit niemals erreichen können. Sie wäre so geblieben, wie sie vor 500 Jahren war – auch kein Paradies. Dr. Eisenbeiß plädiert deshalb darauf, unsere Vorfahren in dieser Hinsicht generell frei zu sprechen.
Seitdem die gefährliche Wirkung des CO2 Ausstoßes wissenschaftlich belegt ist, müssen sich – so der Referent – alle CO2 Emittenten Schuld zurechnen lassen. China emittiert zum Beispiel mehr CO2 als die USA und Europa zusammen. Indien hat fast das EU-Niveau erreicht. Deutschland verursacht aktuell rund 2% der welt-weiten CO2 Emissionen.
Fazit
Dr. Eisenbeiß Ausführungen kann man abschließend wie folgt zusammenfassen: Die vergleichsweise reichen europäischen Länder sollten jenseits von Schuld heftig betroffenen Klimaopfern schon aus Solidarität ihre Hilfe nicht verweigern. Sie dürfen gleichzeitig ohne Scham stolz auf ihre Vorfahren sein für das, was diese durch arglose, aber kreative Nutzung der fossilen Energien an Wissen, Technik und Zivilisation geschaffen haben.

Ein Nachwort zur Frage der Schuld aus Sicht von Pfr. Arndt Klemp-Kindermann
Leider konnte an diesem Punkt aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nicht jeder Aspekt von Schuld tiefer verfolgt werden. Daher bleibt an dieser Stelle für Pfr. Klemp-Kindermann folgende Frage offen und sollte kritisch weitergedacht werden:
In Bezug auf unseren zivilisatorischen Fortschritt muss auch die Frage nach der ethischen Verantwortung der wohlhabenden Länder Europas und Nordamerikas gestellt werden. Was bedeutet für die westliche Zivilisation der Begriff Schuld und die daraus resultierende Verantwortung bezüglich der Ursachen und Wirkungen ihrer imperialen und kolonialen Geschichte bis in unsere Gegenwart? Ist es mora-lisch richtig, Nutzen aus dieser Vergangenheit zu ziehen, ohne deren Konsequenzen zu hinterfragen und dafür Verantwortung tragen zu wollen? Diese Frage unbeachtet zu lassen, ist nach Pfr. Klemp-Kindermanns Ansicht mit einem christlichen Verantwortungsethos nicht vereinbar.